Kognitive Informatik – das Finale

Nun habe ich meinen Bachelor und es ist Zeit über das letzte Semester in Kognitiver Informatik an der Uni Bielefeld zu berichten. Leider hat sich das Sommersemester mal wieder stressiger als das Wintersemester heraus gestellt. :( Glücklicherweise war der Sommer nicht so herausragend. Oder war er es doch und ich habe es nicht mitgekriegt?

Mein Stundenplan

Pflichtveranstaltungen sind wie immer fett hervorgehoben. Dies heißt wie immer auch nur, dass diese Veranstaltung belegt und bestanden werden muss, aber nicht das irgendeine Anwesenheitspflicht bestehen würde. In diesem Semester hat sich das wieder auf nur eine Pflichtveranstaltung, Neuronale Netze und Lernen II, beschränkt.

Allerdings müssen im Studium 20 Leistungspunkte im Wahlpflichtbereich gesammelt werden. Dort gibt es eine Reihe von 5 und 10 Punkte Modulen aus denen man wählen kann bzw. muss. Die Auswahl ist wie ich finde aber ausreichend groß, dass für jeden kognitiven Informatiker etwas passendes dabei sein sollte. Infos zum Angebot finden sich im Vorlesungsverzeichnis und im Modulhandbuch.

Desweiteren sind Veranstlaltungen, die in einem zweiwöchigen Rhythmus oder seltenerem Rhythmus (Übungen zu wissenschaftlichen Rechnen) stattfanden kursiv markiert. Zwei 5 Punkte oder ein 10 Punkte Modul im Wahlpflichtbereich sind benotet einzubringen.

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
8:00–10:00 Übungen Wissenschaftliches
Rechnen
Neuronale Netze und Lernen II Übungen Neuronale Netze und Lernen
II
10:00–12:00 Hot Topics in Cognition, Communication and Agents Wissenschaftliches Rechnen Projekt: Fortgeschrittene Techniken der Computergrafik Japanisch Tandem Niveau A2
12:00–14:00 Japanisch Mittelstufe Teil 2 Niveau B1.2
14:00–16:00 Information Visualization Information Visualization

Neuronale Netze und Lernen II

Es handelt sich um die gleichnamige Vorlesung vom vorherigen Semester mit folgenden Themen:

  1. Self Organizing Maps
  2. Schätzer
  3. Konzeptlernen
  4. Clustering
  5. Instanzenbasiertes Lernen

Ganz hilfreich war, dass mir ein paar Konzepte bereits aus anderen Vorlesungen, wie Datamining, bekannt waren.

Zu der Vorlesung fanden wieder (freiwillige) zweiwöchige Übungen statt, die größtenteils Programmieraufgaben waren. Gehalten wurde die Vorlesung wieder von Jochen Steil. Bei diesem hatte ich dann auch die mündliche Prüfung über beide Semester zum Abschluss des Moduls. Die lief ausgesprochen gut und ist durchaus machbar. Man sollte sich aber bewusst sein, dass der Stoff nicht ganz einfach ist und man schon eine gewisse Zeit zur Vorbereitung auf die Prüfung braucht.

Information Visualization

Als eine weitere Wahlpflichtveranstaltung habe ich Information Visualization mit folgenden Themen und vielen bunten Bildern belegt:

  1. Historisches
  2. Datentypen
  3. Techniken/Visualisierungsansätze
  4. Visuelle Informationsverarbeitung
  5. Evaluationsmethoden

Übungen gab es keine. Abgeschlossen wurde das 5 Punkte-Modul mit einer in meinen Augen, abgesehen von einzelnen nicht so gut gestellten Aufgaben, einfachen Klausur.

Gehalten wurde die Vorlesung von Tim Nattkemper. Gut gefallen hat mir, dass er die Studierenden oft mit in die Vorlesung mit einbezogen hat.

Wissenschaftliches Rechnen

Die von Mario Botsch gehaltene Vorlesung zu wissenschaftlichen Rechnen ist wie die Computergrafikvorlesung von ihm exzellent. Alle Themen werden ausgesprochen anschaulich erklärt. Bei diesen Themen hat es sich gehandelt um:

  1. Mathematische Grundlagen
  2. Kurven-Interpolation
  3. LU-Faktorisierung
  4. Kurven-Approximation
  5. Cholesky-Faktorisierung
  6. Orthogonale Faktorisierungen
  7. Partielle Differentialgleichungen
  8. Heat Equation
  9. Laplace Equation
  10. Konjugierte Gradienten
  11. Wave Equation
  12. Sparse Cholesky-Faktorisierung
  13. Performance und Optimierung
  14. Paralleles Rechnen (SSE, OpenMP, OpenCL)
  15. Fourier-Transformation

Die Übungen waren dieses Semester freiwillig und bestanden aus mehreren
kleinen Projekten. Eine Übung in der Uni gab es dann jeweils nur zum
Abschluss der Projekte. Abgeschlossen wurde das 5 Punkte-Modul mit einer
mündlichen Prüfung, die ich nur unbenotet gemacht habe. Leider weiß man bei
Herrn Botsch in den Prüfungen nicht immer sofort worauf er hinaus möchte.
(War für mich aber nicht problematisch; nur als Info für alle, die
vielleicht noch eine Prüfung bei ihm machen.)

Hot Topics in Cognition, Communication and Agents

Da ich dieses Seminar bereits letztes Semester besucht habe, verweise ich auf den Artikel zu dem Semester. Einziger Unterschied war, dass wir uns dieses Semester jede Woche getroffen haben.

Projekt: Fortgeschrittene Techniken der Computergrafik

Um das 10 Punkte Wahlpflichtmodul komplett zu kriegen, muss man neben der Vorlesung aus dem letzten Semester entweder noch ein Seminar oder ein Projekt mit 3 Leistungspunkten belegen. Ich habe mich für das Projekt entschieden. Dabei werden in kleinen Gruppen von etwa 4 Personen verschiedene Themen bearbeitet. Einige Themenvorschläge werden gemacht, aber man kann auch eigene geeignete Ideen einbringen.

Für dieses Projekt gab es keine festen Termine und die Gruppen haben sich selbst organisierten. Leider hat die Zusammenarbeit mit einem Gruppenmitglied bei uns nicht gut geklappt. Da unserem Tutor diese Person schon bekannt war, konnte es aber so geregelt werden, dass unsere Leistungspunkte nicht gefährdet waren.

Bei unserem Projekt hat es sich um eine auf Shadern basierende Bildverarbeitung gehandelt, für die wir noch ein paar Erweiterungen der Shader Language entwickelt haben. Das Projekt wird in absehbarer Zeit auch veröffentlicht werden (das poste ich dann natürlich auch in diesem Blog). Update: Das Projekt ist inzwischen auf GitHub zu finden.

Auch wenn wir sicherlich mehr Zeit als nötig in das Projekt investiert haben, hat es Spass gemacht. Außerdem war es in der Abschlusspräsentation interessant zu sehen, was die anderen Gruppen so gemacht haben.

Japanisch für Fortgeschrittene, Niveau B1.2, Mittelstufe Teil 2 von 4 und Japanisch im Tandem

Zu den Japanisch-Kursen lässt sich eigentlich nichts sagen, was ich nicht
schon in den letzten Berichten geschrieben habe. Nur der Tandemkurs war
dieses Semester etwas anders. Da wir dieses Semester deutlich weniger
deutsche Teilnehmer hatten, bekamen wir keine festen Partner zugewiesen.
Stattdessen haben wir in einer Session öfter den Partner gewechselt und
jeweils kürzer mit einer Person gesprochen.

Bachelorarbeit

Natürlich musste ich auch die Bachelorarbeit (BA) schreiben. Dazu schaut man bei verschiedenen Arbeitsgruppen nach einem interessanten Thema oder schlägt selbst eins vor. Ich habe meine Arbeit bei Andrea Finke in der AG Neuroinformatik geschrieben. Das Thema war „A Spatial Sound-based BCI for Robot Navigation“. Ein BCI ist ein brain-computer interface und erlaubt die Kontrolle von Computern (oder in diesem Fall Robotern) mit Gedanken. Wobei sich das weitaus spektakulärer anhört als es beim jetzigen Forschungsstand ist.

Als Teil der BA habe ich auch einige Experimente durchgeführt, um das BCI zu testen. Viele Bachelorarbeiten in der Informatik sind aber auch rein theoretisch, wobei Programmieranteile natürlich meistens schon dabei sind. Bewertet wird aber eigentlich nur der geschriebene Teil und kein Sourcecode.

Leider gab es bei der BA immer wieder Rückschläge, weil Dinge nicht so funktioniert haben, wie sie sollten. Dadurch hat die Arbeit auch länger als ursprünglich geplant gedauert. Zum Glück hatte ich genügend Puffer eingeplant. Ab Anmeldung der BA hat man 9 Wochen zur Bearbeitung Zeit. Meistens hat man aber vorher schon Zeit sich in das Thema einzulesen.

Insgesamt war es eine gute Erfahrung aktive Einblicke in Forschungsarbeit zu bekommen und die damit verbundenen Rückschläge aber auch Erfolge kennen zu lernen.

Fazit

Nun habe ich nach 6 Semestern meinen Bachelor und muss sagen, dass Kognitive Informatik in Bielefeld zu studieren auf jeden Fall eine gute Wahl für mich war. Durch die Wahlpflichtmodule und die individuelle Ergänzung hat man gute Möglichkeiten das Studium anhand persönlicher Interessen auszurichten. Meine einzigen Kritikpunkte sind, dass Projektentwicklung ganz anders vermittelt werden müsste als es in Techniken der Projektentwicklung getan wird und dass sich das Sprachverarbeitungsmodul als recht überflüssig herausgestellt hat. Soweit ich weiß wurde aber mit diesem Wintersemester die Studienstruktur geändert und dieser Mangel behoben.

Auch die Uni selber hat sich als durchaus empfehlenswert herausgestellt. Zwar wirkt das Gebäude anfangs vielleicht nicht besonders hübsch, aber es ist ausgesprochen praktisch. Alles ist nah beisammen und Post, Lebensmittelladen, Schreibwarenladen und mehr stellen eine gewisse Grundversorgung sicher.

Super ist auch, dass das Hochschulsport und Sprachkurse in Bielefeld kostenlos sind. Ich würde jedem empfehlen das Angebot zu nutzen, wenn man sich mit dem Gedanken anfreunden kann eine weitere Sprache zu lernen.

Übrigens waren nahezu alle Angestellten der Uni, mit denen ich zu tun hatte, ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.

Ich werde jetzt sehr bald meinen Master in Computational Neuroscience in Berlin anfangen. Dort sind die Wege leider weiter, Sprachkurse und Hochschulsport leider nicht kostenlos. Trotzdem wird es bestimmt eine eben so tolle Erfahrung wie die drei Jahre in Bielefeld.

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