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Meine Meinung zu Religion

Durch die ganze Zensurdebatte bin ich auch auf ein paar ältere Äußerungen unserer Familienministerin Ursula von der Leyen gestoßen:

Eltern sollten mit ihren Kindern beten und ihnen so selbstverständlich wie die Muttersprache auch Religion mitgeben.

Im April 2006 verkündete Ursula von der Leyen, dass sie in einem Bündnis für Erziehung zusammen mit den Kirchen Leitlinien für die Erziehung erarbeiten wolle, wobei “christliche Werte wieder zum Fundament der Erziehung” werden sollen.

Wie gesagt sind diese Aussagen bereits etwas älter, aber zu dem Zeitpunkt war ich noch deutlich weniger an Politik interessiert und hatte sie damals noch nicht mitbekommen. Wo ich sie jetzt gefunden habe, möchte ich doch noch meine Meinung dazu loswerden.

Ich persönliche finde diese Äußerungen nämlich sehr bedenklich. Meiner Ansicht nach, sollten Staat und Religion strikt von einander getrennt sein. Dazu zählt für mich auch, dass staatliche Einrichtungen wie Schulen Religion nicht als Pflichtfach unterrichten. Da man (jedenfalls in Niedersachsen) anstelle von Religion auch “Werte und Normen” wählen kann, ist dies für mich gegeben. Doch ich denke durchaus darüber nach, ob es nicht sinnvoll wäre den Religionsunterricht an Schulen komplett abzuschaffen. Es gibt für mich mehrere Gründe, die dafür sprechen.

Aus meiner Sicht ist die Vermittlung von Religion nicht Aufgabe des Staates. Dies sollten die einzelnen Religionsgemeinschaften übernehmen. Zum einen kann der Staat nur Unterricht für die großen Religionen anbieten, aber nicht für Minderheitenreligionen. Diese wäre dadurch in gewisser Weise benachteiligt. Zum anderen kann es in einem Staat, der von Religion getrennt ist, nicht Aufgabe eben dieses Staates sein Religion zu vermittlen.

Wir brauchen in unserer Gesellschaft Werte. Aber diese können auch in einem religionsneutralen Fach wie “Werte und Normen” vermittelt werden. Würde alle Schüler ein solches Fach anstelle von Religionsunterricht besuchen, würden diesen die gleiche Basis an Werten vermittelt. Desweiteren halte ich mit Religion begründete Werte für sehr “schwach”.

Was meine ich mit “schwach”? Religion begründet Aussagen in der Regel als gottgegeben. Gleichzeitig darf man den jeweiligen Gott natürlich nicht anzweifeln. Mit anderen Worten muss man somit also alle “Werte”, die die Religion vermittelt”, unreflektiert hinnehmen und wer sagt denn, dass diese “Werte” tatsächlich für ein gutes Zusammenleben geeignet sind. Eins der schlimmst Beispiele für schlechte Werte scheinen mir islamistische Selbstmordattentäter zu sein. Sicherlich sind diese Attentäter davon überzeugt das moralisch Richtige zu tun. Aber auch in der Bibel (vornehmlich im alten Testament) sind wohl viele Handlungsanweisungen, die man heute als total überholt ansehen würde. Aber kann man sich einfach so ohne weiteres die “richtigen christlichen” Werte aus der Bibel heraussuchen und die schlechten ignorieren, wenn man ein echter Christ ist? Schließlich gibt es keine Aussage Gottes, welche dieser Passagen in der Bibel heute wohl nicht mehr gültig sind.

Daher sollte ein mündiger Bürger in der Lage rein aus der Vernunft moralischen Handeln zu begründen und verteidigen. Ich denke, eine elementare Frage dazu ist: “Wie muss ich mich Verhalten, damit alle (also auch ich) davon profitieren?” Sollte ich auf meinen alleinigen Vorteil bedacht handeln, muss ich mir natürlich im Klaren darüber sein, dass alle so handeln könnten und damit alle am Ende schlechter dastehen. Ich halte es für wichtig solche vernunftbegründeten Werte zu lehren. Diese könne von jedem durch kritisches und eigenes Denken überprüft werden und versetzen einen in die Lage zu reflektieren, welche religiösen Werte tatsächlich gut sind.

In so fern finde ich die Aussagen unserer Familienministerin sehr bedenklich. Zumal: Warum sollten ausgerechnet die christlichen Werte zum Grundsatz unserer Erziehung werden? Wieso nicht die islamischen? Oder die jüdischen? Oder halt der säkulare Humanismus? Auch Religion so selbstverständlich wie die Muttersprache mitzugeben halte ich für sehr kritisch. Wir brauchen mündige Bürger, die zu kritischem und reflektiertem Denken in der Lage sind. Leider hat Religion oft das Potential gerade dieses kritische Denken und Hinterfragen zu unterbinden, weil z.B. gefordert wird, dass man an Gott nicht zweifeln darf. Somit wird bei Befolgung dieser Anweisung das Hinterfragen jeglicher Aussagen der Religion unterbunden. Die Wirkung davon sieht man oft auch bei Kreationisten.

Trotz all dieser Punkte, möchte ich Religion nicht verbieten. Abgesehen davon, dass ein Religionsverbot sicherlich kaum etwas bringen wird (wenn es nicht sogar schadet), hat jeder das Recht zu glauben was er möchte. Wie im Text vielleicht angeklungen ist, bin ich der Meinung, dass Religion viele gefährliche Eigenschaften hat. Aber sicherlich gibt es auch einige gute Seiten von Religion, wie z.B. das Zusammenkommen in einer Gemeinschaft oder Jugendorganisationen (z.B. die KSJ). Doch diese rechtfertigen aus meiner Sicht keine grundlegend religiöse Erziehung. Ich finde übrigens, dass es schön wäre, wenn solche “guten Elemente” von Religion in einem atheistischen Rahmen angeboten würden. So muss ja eine Jugendorganisation nicht zwingend einen religiösen Hintergrund haben. Wahrscheinlich gibt es sogar schon atheistische Jugendorganisationen und ähnliches, ohne dass ich davon weiß.

8 Antworten zu “Meine Meinung zu Religion”

  1. Stefan

    18. August 2009 um 00:19

    War jetzt zu so später Stunde zu faul, alles zu lesen, aber hier muss ich dir widersprechen: “Gleichzeitig darf man den jeweiligen Gott natürlich nicht anzweifeln.”

    Das ist zumindest bei mir im Unterricht (BaWü) nicht der Fall. Wir zweifeln alles mögliche im Religionsunterricht an, in letzter Zeit oft die Inhalte der Bibel. Vor 1 oder 2 Jahren war aber auch Gott dran, mit irgendeinem Zitat vom Philosophen Feuerbach.

    Insofern kann man das nicht so pauschal sagen. Am Gymnasium arbeiten wir oft nach der historisch-kritischen Methode der Textanalyse.

  2. hybris

    18. August 2009 um 00:26

    Dass eine CDU-Politikerin Anderen rät, zu beten, überrascht mich jetzt nicht wirklich. Leider ist der ursprüngliche Artikel, aus dem das Zitat stammt, nicht mehr im Netz. Deutschland wie Europa ist jedenfalls durch christliche Werte geprägt und um diese anzunehmen braucht man kein Christ sein. Auch heute sind in Deutschland noch über 60% christlich. Muss sich immer jeder diskriminiert fühlen? Ich dachte, Atheisten stehen über diesen Kindereien.
    Mal was über (andere) Religionen zu lernen, kann kaum schaden, wenn es nicht bis zur Indoktination getrieben wird.
    “Aus meiner Sicht ist die Vermittlung von Religion nicht Aufgabe des Staates.” In anderen Gebieten werden uns übrigens auch unkritisch Meinungen und Weltanschauungen vorgegeben, die einfach als richtig dargestellt werden. Geschichte etwa. Da steht man dann auch vor der Wahl, dran zu glauben oder nicht.
    Wenns nach Frau von der Leyen ginge, wäre das Christentum vielleicht Staatsreligion, aber es gibt genug Leute, die etwas dagegen hätten, also wird es dazu wohl kaum kommen. Ich würde das nicht so eng sehen.

  3. ork

    18. August 2009 um 15:31

    Es gab zu dem Thema vor ein paar Jahren eine sehr gute Petition von der Giordano Bruno Stiftung.
    Online-Petition gegen die religiöse Fundierung von Bildung und Erziehung

  4. blubb

    18. August 2009 um 22:17

    Zu Stefan: Da hast du in der Tat Recht. Auch in Niedersachsen werden im Religionsunterricht durchaus Argumente für und gegen Gott durch genommen. Die von dir zitierte Aussage bezog sich aber auch weniger auf den Religionsunterricht als viel mehr auf die religiöse Lehre an sich. Wobei ich die Aussagen da womöglich auch relativieren muss. In der “Mainstream-Religion” (falls man das so sagen darf) ist der Zweifel an Gott sicherlich kein so großes Problem. Aber in fundamentalistischen Kreisen sieht das sicherlich anders aus. Ich vermute auch, dass es in der Bibel stellen mit der Aussage man solle nicht an Gott zweifeln gibt. Allerdings muss ich zugeben keine besondere Bibelkenntnis zu haben.
    Natürlich hat auch jeder eine eigene Auslegung von Religion, was die Diskussion über dieses Thema bisweilen recht schwierig macht. Daher trifft es sicherlich auf alle zu, aber bei einigen unterbindet der Glaube an Gott den Zweifel an eben jenen, wenn nach folgendem Prinzip gedacht wird:

    Vorraussetzung für den Glauben an Gott ist logischerweise der Glaube an seine Existenz und
    ich denke, dass wer an der Existenz zweifelt der kann auch nicht wirklich an Gott glauben.

    (Zitat von Benjamin Tast in einer Sammlung verschiedener Meinung aus einem Religionsgrundkurs)

    Zu hybris: Mir geht es auch nicht so sehr darum, dass christliche Werte vermittelt werden, sondern auf welche Basis diese Werte gestellt werden. Christliche Werte wie “Du sollst nicht Morden.” sind ja nicht falsch. Nur halte ich die christliche Begründung für schwach: Das Gebot soll befolgt werden, weil es “Gott” uns mitgeteilt hat, ohne dass es für diesen “Gott” (aus meiner Sicht) ausreichend Belege gibt. Eine auf Vernunft basierende Begründung halte ich da für besser: Wenn wir uns alle darauf einigen, dass wir nicht Morden (und Zuwiderhandlungen bestrafen), profitieren wir alle davon, weil für jeden Einzelnen die Überlebenschancen höher sind.
    Auch halte ich es nicht für falsch — im Gegenteil sogar für sinnvoll — etwas über andere Religionen zu lernen. Aber dies kann genauso gut in einem Unterrichtsfach geschehen, dass keine Religion bevorzugt behandelt. Da viele Teile unserer Kultur immer noch Christentum verankert sind, sollte man gerade über diese historischen Hintergründe auch über ein Grundwissen verfügen.
    Weil zum Teil sicherlich auch in anderen Gebieten unkritische Meinungen vorgegeben werden, ist dies für mich noch ein Grund mehr, warum Kinder zu selbstständigen und kritischen Denken erzogen werden müssen. Wobei ich denke, dass in Geschichte das meiste vom vermittelten Stoff schon Konsens unter dem größten Teil der Geschichtswissenschaftler sein dürfte.
    Staatsreligion wird das Christentum sicherlich nicht. Wollte mit dem Artikel auch nicht Aussagen, dass ich davor Angst hätte oder so. Es ging mir mehr darum, mal ein paar allgemeine Gedanken in Worte zu fassen und mir so auch selbst etwas klarer über meine eigene Meinung zu werden. Die Kommentare finde ich auch sehr schön, weil sie helfen das ganze nochmal aus einem etwas anderen Blickwinkel zu sehen und mich meine eigenen Gedankengänge nochmal reflektieren lassen. Die Aussagen von der Leyen hatten mich eigentlich nur auf den Gedanken gebracht, mir zu dem Thema nochmal ein paar Gedanken zu machen, und haben ein bisschen als Aufhänger gedient.

    Zu ork: Habe mir die Petition nicht komplett durchgelesen, sieht aber sehr interessant aus. Die Giordano Bruno Stiftung ist mir übrigens bereits ein Begriff gewesen. Die hatten bei mir an der Uni mal einen interessanten Vortrag veranstaltet.

  5. Al

    18. August 2009 um 23:19

    Mal zum Thema “Kein Religionsunterricht an Schulen”. Es gibt einen guten Grund, wieso Religion in der Schule unterrichtet wird: Eben damit keine unreflektierte “Indoktrinierung” stattfindet. Denn auch wenn die Ausbildung der Religionslehrer durch die Kirche stattfindet (die Kirchen berufen die jeweiligen Professoren an die Unis), so ist ein Lehrer in erster Linie ein staatlicher Angestellter / Beamter und hat als solcher soweit ihm möglich objektiv zu lehren.

    Mir kommt deine gesamte Einschätzung der Kirche und der Unantastbarkeit ihrer Lehren sehr naiv vor. Selbstverständlich hat jeder Christ das Recht, Lehren der Kirche anzuzweifeln und dementsprechend zu handeln. Nur muss dann im Extremfall eben jeder für sich entscheiden, ob er sich weiterhin Christ nennen möchte oder nicht.
    Dein Argumentationsweg Richtung Fundamentalismus ist gerade einer der Gründe, wieso Religionsunterricht in einen festen Rahmen gehört und nicht in die Hand von ggf. Fanatikern, die den Kindern keine Wahl lassen, ob sie das zu Lehrende akzeptieren oder nicht. Ein (guter) Religionslehrer wird rationale Skepsis immer akzeptieren.

    Und ist es schlußendlich so wichtig, woher die heutzutage bei uns akzeptierten Werte kommen? Nicht grundlos stellen auch Atheisten oder Agnostiker ein Äquivalent zu “Du sollst nicht töten” ganz nach oben.

    Weiterhin ist deine Frage “wieso gerade christliche Werte?” ganz einfach mit der Geschichte zu begründen. Europa ist nun schlicht und ergreifend christlich geprägt – ob einem das gefällt oder nicht. Sich da künstlich zu echauffieren, wie man denn quasi blind auf eine Religion tippt und diese wählt, kommt mir merkwürdig vor.

  6. blubb

    19. August 2009 um 12:51

    Du sprichst durchaus einen guten Punkt für Religionsunterricht an. Mir stellt sich die Frage, würde sich eine “Indoktrinierung” überhaupt in der Schule verhindern lassen, wenn diese von einer Religionsgemeinschaft forciert wird? (Ich hoffe schon.) Wenn ja, würde dies dann nicht auch genauso gut in “Werte und Normen” gehen?

    Schließlich ist es tatsächlich erstmal nicht so wichtig, woher die Werte kommen, sondern dass sie überhaupt vermittelt werden. Doch danach sollte man sich, finde ich, auch Gedanken darüber machen auf welcher Basis man diese Werte begründet. (Was nicht heißt, dass ich es ablehne zu erfahren, wie sich unsere Wertvorstellungen geschichtlich entwickelt haben.)

    Ich habe zum Theman “christliche Werte” übrigens noch einen lesenswerten Artikel in einem anderen Blog gefunden: http://variaeteventualia.iblogger.org/wordpress/archives/3

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